kleine Weile beobachtete Toni das emsige Vorwärtskommen des Sekundenzeigers auf seiner Armbanduhr.

Ines sah auf der Wiese nach einem geeigneten Platz für den Laufsteg. Ein solcher fand sich schnell... und nicht nur dafür – auch der Pavillon vermochte an dieser Stelle gut aufgestellt zu werden!

Litizia stand in dem Bereich in dem später einmal der Weg für die Besucher vorbeiführen würde... in Gedanken wurden die Steinskulpturen platziert.

Jan und Viona befanden sich im Haus: er beabsichtigte den Kellerraum schwarz zu tünchen – sie suchte Zettel und Stift.

 

Als sich diese Utensilien nach langem Suchen fanden, lief die Frau nach draußen zu Toni. Der Mann schaute hoch... sie nahm auf dem freien Stuhl neben ihm Platz; er griff Zettel und Stift... ihr Blick folgte dem Strich auf dem Papier “Was soll´n das geben?“.

“So wird’s aussehen... das neue Modell ´ER 396´.“ – Toni erklärte ihr, wie die Glasbilder in den Autos aufgehängt werden sollten. Als er endete, betrachtete Viona seine Zeichnung „Na schön, is´ klar und das gibt’s Serienmäßig?“ Skeptisches Kopfschütteln seinerseits setzte einen abschließenden Punkt „Wenn ich´s auf den Markt bringe... dann – ja.“

 

„Magst du was von denen hier?“ Die Schale mit den ersten Erdbeeren in diesem Frühjahr schob sich vor Vionas Nase: der Mann kann nicht wissen, dass du selbst für die Hälfte von solch einer Frucht Omas klein Häuschen verschenken würdest! Okay, der Punkt ging ganz klar an die innere Stimme... eine Erdbeere fiel doch nicht auf, oder?

Leicht zog eine Brise über das Hosenbein der Frau.

Der erste Biss in das frische Rot lies das Erdbeerfeld erkennen; der Wind wehte zwischen den Sträuchern hindurch; dicht unter den hellen Wolken, drehte ein Vogel seine Kreise; der Blick aufwärts nachdem sie abgebissen hatte, zeigte das Ende des Ackers... den vor der Abenddämmerung stehenden Maschendrahtzaun.

Schmunzelnd griff Toni mit einem Blick auf die Frau in die Schale. Gut, mit Speck fängt man Mäuse – in ihrem Fall: mit der roten Frucht. Mist, wo war die Harley? Die Sonne schien doch!

„Ab dem nächsten Spiel sollen wir eine silberne Münze pro Karte extra mit kassieren.“

„Na klar – kein Thema... und wofür ist das dann?“

Er nahm noch eine Erdbeere, wischte sie sauber und biss ab „Der Verein möchte eine größere Flutlichtanlage bauen.“

 

Ihm fiel auf, dass sich etwas an seiner Hose bewegte - im Augenwinkel nahm er den wandernden, schwarzen Punkt wahr. „Hey, da bist du ja wieder! Komm doch mal so, dass man dich sehen kann...“

Sprach´s und das kleine Wollknäuel saß auf dem Stuhl den beiden Personen gegenüber. „Hi, Windhauch, wie geht´s denn so?“ Viona biss in eine weitere Erdbeere... das gute Stück behielt sie – der grüne Rückstand landete bei dem Resteberg auf dem Tisch.

Der kleine Perser schaute ohne Scheu zu der Frau, leckte über das abgebissene, rote Endstück und die mondsteinfarbenen Augen zogen abschließend zu dem Mann.

Dieser schluckte... sah verlegen zu den altersschwachen Vehikeln: was der Vierbeiner andeutete, wusste er genau - da hörte es aber auch schon auf – zu mehr fehlte einfach der Mut.

Viona erhob sich und ging ins Haus... diese plötzlich in ihrem Gesicht entstandene sehr präsente Tönung, kam gerade nicht gelegen... die Idee, das Weite zu suchen... dagegen sehr!

Auf dem Weg zur Treppe im Gebäude, lief sie geradewegs in die Arme von Jan.

Ihm entging die Färbung rund um ihre Nase nicht. Lächelnd bot er sein Glas an „Diesen Schluck Wasser teile ich gerne mit dir... die ersten Strahlen haben dich ja voll erwischt...“

 

Im 1. Stock angekommen führte eine Diele nach beiden Seiten zu einigen Räumen. Viona ging rechts herum. Die Türen standen weit auf... die Zimmer waren klein, leer und sonnendurchflutet! Zögerlich betraten die Schuhe den ersten Abzweig - er erschien einem anfangs größer... noch standen auch keine Möbel darin.

Sie rutschte gegenüber von dem Fenster an der Wand hinunter und blieb – die Beine aufgestellt, die Arme verknotet auf den Knien liegend – sitzen. Die Augen spazierten durch das Zimmer zu dem Baum vorm Fenster. Ihre Lider fielen zu und ein Schlummer ergriff die Macht.

Viona kam zu sich, als jemand an ihren Schultern schaukelte und den Namen der Frau murmelte – die Lider gaben die Sicht frei und Litizia bekam ein Gesicht.

„Wenn du kurz ein paar Minuten erübrigen könntest, dann wartet hier ein Vanillepudding in der Kühlbox auf dich. Kann ich dich dafür begeistern?“ Viona wirkte nicht überzeugt.

Ein Schälchen mit dem kühlen Dessert schwebte vor ihre Augen, verweilte nicht lange dort und zwei Hände schnappten zielstrebig danach!

 

Litizia griff ins Kalte, nahm zwei Löffel und setzte sich runter neben die Freundin - reichte ihr einen kleinen Schöpfer... ein erstes Mal sank etwas der Inhalt in den Plastikbechern.

„Hast du von dem Rummel in der Stadt gehört... wollen wir da mal drüber laufen?“ Ein weiteres Mal ging der Löffel leer in den Pudding und kam beladen zurück an die Oberfläche.

„Hier seid ihr!“ Erschrocken sahen beide zur Tür. Schmunzelnd betrachtete Ines die Kühlbox. „Ist da noch was drin?“ Litizia fand als erstes die Stimme wieder: „Einer für dich – zwei für die Jungs.“

 

Zu dritt löffelten die Frauen ihr kühles Dessert und sprachen über das demnächst kommende Highlight in der Stadt.

„Ich hab gehört, es soll ein bisschen außerhalb sein... ehemaliger Hubschrauberlandeplatz.“

„Wofür braucht man eine so große Fläche?“

„Naja, es wird angeblich kein gewöhnlicher Rummel sein.“ Litizia ging ein erneutes Mal durch die Masse aus Vanille.

„Mh...“ Ines schluckte und sprach weiter „Mehr ließe sich sagen, wenn wir es uns ansehen würden?“

„Nächste Woche is´ Messe – da kann ich nicht...“

„Macht nix – Rummel wäre dann auch Wochenende in zwei Wochen!“

 

Ein letztes Mal erfüllten die Löffel ihre Aufgabe.