plätscherte der Bach über die Steine und blitzte in der Vormittagssonne immer wieder auf. Die 2, 3 Bäume am Wasserrand machten das Stimmungsbild zwischen den Stäben des Brückengeländers hindurch, zu einem Moment der Ruhe.

„Are you dreaming?“ Der Wachmann, den man für diese Messe an dem kleinen Seiteneingang einteilte, sprach kein Wort deutsch – der Mann kam aus England! Ein Wenig verstand ihn Viona, aber an ein Gespräch brauchte man gar nicht denken – dafür reichte es bei ihr nicht.

Lächelnd hielt er der Frau ein Heft entgegen: „I can give you this one...“

Jerry Cotton und das in deutsch... sie wär ja blöd, das abzulehnen! Kennen tat Viona den Lesestoff gar nicht, las sich aber schnell ein und reichte ihm beim nach Hause gehen das Heft – gelesen – zurück.

Die verbleibende Woche fütterte der Mann sie jeden Morgen mit neuem Buchstabenmaterial, dass Viona ihm abends, kriminalistisch, hochwertig durchgearbeitet, wiedergab!

 

Das Auto fuhr die Straße entlang... geradewegs auf die Stadt zu. Einen Moment konnte man den Würfel – das Firmenlogo einer Spedition – schon sehen und das bedeutete, bald wäre man angekommen!

Viona saß noch schläfrig auf dem Beifahrersitz; der Tag erwachte; die Erinnerung an das erste Mal auf einer Messe verblasste;

die Frau neben ihr, bog jetzt am Würfel ab und fuhr zwischen den Häusern; beide Personen wechselten sich mit fahren jeden Tag ab; sie war älter; mehr Mensch; die Tante der Jüngeren;

an der ersten Ampel musste das Fahrzeug stoppen; zwei Mal abbiegen und sie hatten ihr Ziel erreicht!

 

Viona saß während einer Eintrittskarten-Besucher-Verkaufspause in der kleinen Hütte und beobachtete die langsam vorbeifahrenden PKW´s auf dem Weg zur Wiese – dort konnten diese parken.

Plötzlich stand Sascha, ihr zugeteilter Kartenentwerter, vor ihr, beide Hände hinter dem Rücken haltend: „Welche Hand willst du? Such dir eine aus!“ Sie wählte... kurzes Gewurschtel hinter dem Rücken... ein kleiner, blauer Elefant befand sich bald schon in ihren Händen.

Über Nahrungsmangel konnte Viona sich in diesen Tagen nicht beklagen: fürsorglich wurde sie quer durch das kulinarische Messeangebot von den Ordnungshütern versorgt.

 

Die orangene Teigschüssel – ihre Größte – bot einen wunderschönen Anblick... in Vionas Augen funkelte es: Zucker, Quark, Erdbeeren und das für sie ganz alleine!

Zusammen mit dem Kunststoffbehältnis, der darin befindlichen Kalorienbombe und einem Suppenlöffel ging der Weg zum Zeichentisch. Mehr als einmal kam das große Esshilfsmittel beladen zurück an die Oberfläche – ihr Blick ruhte auf der Glasscheibe des Bilderhalters.

 

Etliche gut gehäufte Löffel rotes Denkerfutter verließen die gesamte Masse, bis Viona aufgab nach geeigneten Motiven zum gravieren zu suchen: ein vorgezeichnetes Schlafzimmer mit Blick zur offenen Terrassentür - hinaus auf das Meer - wurde aus der Sammelmappe hervorgeholt... ob es diesen Raum in Venedig wirklich gab, wusste die Frau nicht - aber die Vorstellung, in solch einem Zimmer morgens aufzuwachen, aufzustehen und diesen Ausblick zu haben, kam einem Traum gleich!

Okay, für den Moment gab es sie und den roten Quarktraum... auch nicht schlecht... gar nicht schlecht...

 

Das Papier wanderte unter die Scheibe, der Gravierer in ihre Hände und los ging´s. Langsam fraß der Diamantbohrer das Motiv auf dem Bogen Pergament nach.

Als das Zimmer fest im Glas eingeritzt war, nahm der Löffel seinen Dienst erneut auf... 5 Minuten Pause mussten sein.

Viona schaute nachdenklich auf das Bild. Fluoreszierende Farbe stand doch im ehemaligen Medizinschränkchen?

Sie lief nachsehen und fand das Gesuchte - holte einen Schwamm und rieb die Farbe in die Konturen.

 

Den Skizzenblock unter den Arm geklemmt, lief die Frau im Stadion an den Tennisplätzen vorbei, zu der kleinen Holzhütte. Das Brett vor der Fensteröffnung war verschwunden und das bedeutete, dass Toni schon da sein musste.

Als sie um die Ecke zu dem Eingang kam und eintreten wollte, wäre Viona um ein Haar mit dem Mann zusammengeknallt!

„Wohin so schnell?“ Keinen Millimeter zurück ging sein Fuß... als hätte er gewusst, dass sie kam.

Einen Schritt zurückweichend wurde der Block unter dem Arm hervorgezogen „Schau mal, wollt´ ich dir zeigen...“ Viona schob das Deckblatt zurück...

Irritiert ging Toni´s Blick von dem leeren Bogen Papier zu ihr – fragend zogen die Schultern nach oben: „Ein weißes Bett - in einem weißen Raum. Die Schatten herauszuarbeiten, stellte sich mir am schwersten dar! Aber is´ mir am Ende doch ganz gut gelungen...“

Lächelnd fuhr der Mann mit einer Hand durch seine Haare.

 

Der Ansturm Besucher begann sehr verhalten. Jürgen kam – Toni verschwand kurz zuvor.

„Hi“

„Na, wieder fit?“

„Klar!“ Er stupste die Frau auf die Nase „...geht wieder...“ Unsicher stieg der Mann von einem Bein aufs Nächste „Hast du Lust, nächstes Mal mit in die Fankurve zu gehen... mit mir?“

Toni schnappte bei seinem Zurückkommen den Rest von Jürgens Frage auf „Schön, das wär geklärt... deine Karte hast du: was willst du noch? Geh´ weiter...“

 

Bei diesem Heimspiel durfte auch die Fußball-Oma durch fehlende Anwesenheit nicht auffallen: langsam kam die alte Frau herangelaufen.