dann muss ich beantragen, meine Rente zu erhöhen.“

Etwas erschrocken starrte Viona die Fußball-Oma an – auch die beiden älteren Herren wirkten ein wenig bestürzt: „Mensch Maria, so schlimm?“

„Nö, aber der Verein brauch´ das Geld für´s Flutlicht!“

 

Nachdem Viona und Toni die Kasse zurückgebracht hatten, verabschiedete sich der Mann zwinkernd mit den Worten: „Man sieht sich“.

 

Als Letzte griff Litizia nach dem dünnen Stöckchen, bedankte sich im Umdrehen bei dem Verkäufer und ging mit den zwei Freundinnen weiter.

Zuckerwatte kauend stoppte man an einem schillernden Holzstand: inmitten brennender Kerzen drehten zwei Schwäne auf einem See ruhig ihre Kreise – eine Spieluhr spielte „Für Elise“; friedlich folgte der Spiegel unter den Plastiktierchen deren Bewegung.

Wenige Schritte entfernt lud eine sehr große Gartenhütte den Besucher zum Herein kommen ein - betrat man diese, befand sich der Mensch in einer scheinbar anderen Welt... Zahlreiche kleine, drehbare Gegenstände in den unterschiedlichsten Größen - umgeben von noch mehr Scherben aller Art – lagen an diesem Ort.

 

Ines griff neugierig ein ähnlich einer leeren Toilettenpapierrolle violett glänzendes Teil. Als gläserne Bruchstücke hörbar wurden, wollte sie es erschrocken zurückstellen!

Ein junger Mann griff an ihr vorbei, hinderte die Frau an diesem Vorhaben und drehte es etwas. „Schau durch und dabei drehen nicht vergessen – keine Angst...“

Ines Finger griffen erneut nach dem Röhrchen; den Rat befolgend blickten die weiblichen Augen in das kleine, runde Guckloch: durchsichtige, nicht besonders Imposante Fragmente wurden sichtbar.

Zaghaft drehte sie den fliederfarbenen Gegenstand... die vier hellen Arme begannen sich zu bewegen – der Eindruck erwachte, als wehte eine Tunika im Wind!

Das violette Kaleidoskop fand letztendlich den Weg in Ines´ Tasche.

 

Ein orientalisches Zelt lies die drei Freundinnen vor einem Schild stehen bleiben.

„Klingt nicht uninteressant... Was meint ihr – sollten wir uns mal in die Karten schauen lassen?“ Litizia sah fragend zu den Freundinnen; eine stimmte zu; drei gingen hinein.

Viona wartete anfangs gemeinsam mit Ines, später gesellte sich Litizia zu ihr an den Tisch. Nach einiger Zeit des Wartens nahm sie selbst am Tisch der Kartenlegerin Platz.

Schon bald lagen die vielen Tarotkarten auf der Fläche und gaben die Sicht auf das zukünftige Geschehen in ihrer nahen Zukunft frei.

 

„Sie planen... sagen die Karten... eine größere Geschäftigkeit... viele Leute sind dabei...“

Viona runzelte die Stirn „Wir sind zu fünft...“

„Nein, nein – es handelt sich wohl um sehr viel mehr...

Madam Cara sah erneut über die etlichen, bunten Bilder.

„Hier ist ein Haus – oder mehr, hier ist einiges an Wasser und hier ist ein Mann... den kennen sie scheinbar länger schon...“

Viona überlegte und lächelte... Toni?

 

Bei den Fahrgeschäften schauten die Drei zu einem leuchtenden, blinkenden Pilz hoch. Metallkörbe kamen an langen Ketten aus dem sich drehenden Waldgewächs heraus und wirbelten die Fahrgäste in Wellenlinien in schwindelnder Höhe durch die Luft.

„Im Leben niemals würde ich da mitfahren...“ Ines beobachtete die blitzenden Lichter am Nachthimmel.

Litizia´s Nase folgte zweifelnd dem stabilen Balken aufwärts. Kopfschüttelnd meinte sie: „Nie-mals würde ich da einsteigen!“.

Auch Viona verfolgte das Geschehen weit oben; ungläubig nickte sie; „Niemals.“ flüsterte die Frau, „Niemals...“ konnte man leise vernehmen, „Niemals!“ - sprachlos nahmen die zwei Freundinnen die Karten entgegen: „Is´ das wirklich dein ernst?“

„Todernst.“

Sarkasmus breitete sich in Litizia aus: „Joo, das wären wir dann ja auch...“

„Seit wann, macht ihr euch bei einem Kettenkarussell ins Hemd?“

Ines griff ein letztes Mal in die Tüte mit gebrannten Mandeln „Das ist doch um einiges höher...“ danach folgte sie sowie Litizia, der Freundin „Tschüss Leben.“

 

Die Bügel senkten sich und hinaus ging es in die Nacht... definitiv gab´s kein Zurück mehr! „Viel Spaß beim Sterben.“ leicht schmunzelnd tippte ein älterer Mann an sein Käppchen; er setzte den Weg an das Ende der Bahn fort; die Beine der Latzhose fingen zu wehen an.

Litizia´s Hände hielten die Bügel fest umklammert und schon führte der Weg steil nach oben... in die Sterne. Dort wo jede gewöhnliche Achterbahn die Fahrt abwärts antrat, ging es noch um einiges weiter.

Irgendwann erreichte man den obersten Punkt und kurz sah man, wie steil es bergab, direkt in die Zitrone hinein, ging!

 

„Wir haben überlebt.“ Das Kaleidoskop verließ die Tasche „Das zum Glück auch...“ Ines sah durch die kleine Scheibe „...und es ist ganz geblieben!“

„Scherben?“ Viona zog spöttisch eine Augenbraue hoch.

„Schöne Pfingsten...“ Litizia trank den Schnaps auf ex. Ines leerte ihr Glas ebenfalls in einem Zug „Frohe Ostern, aufs Leben.“

„Was hat dich so sicher gemacht, dass wir da heil rauskommen?“

Viona griff sich an ihr Ohr: “Die Kartenlegerin sprach von Zukunft – nicht aber von Vergänglichkeit.“

Sie regte an, zum Abschluss eine Runde mit dem Kinderkarussell zu drehen.

 

Der nächste Samstag kam und das bedeutete... ab ins Stadion: Fußball!

Schon bei der Ankunft am Haupteingang überfielen die beiden Sicherheitsmänner Viona mit dem neuesten Ereignis: „Jörn hat Diego nicht erkannt.“

„Der ist doch im Verein ein Star... den erkennt man doch: der Mann ist schwarz!“ Die Frau schüttelte ungläubig den Kopf „Gut – das ist nicht einfach...“ schwer seufzte die Frau „...gerade zu komplex ist es, einen Farbigen in einer Gruppe Weißer zu erkennen.“

„Wem fehlt da jetzt die geistige Helligkeit? Diego, weil er seinen Ausweis vergessen hatte, oder Jörn, weil er den Spieler nicht zuordnen konnte?“

 

Ihr Weg führte an das Kassenhaus; dort traf sie Jürgen; zusammen ging man den Pfad mit Steinen hinauf zur Fankurve; man gesellte sich zu den Leuten, die bereits anwesend waren.

Das Spiel bekam seinen Anpfiff und die Trommeln wurden lauter; große Fahnen fingen zeitgleich an, über den Köpfen der Fans hin und her zu schwingen; Tröten, Pfeifen und Anfeuerungsrufe lebten mit dem Ball auf dem Feld mit.

 

Viona brezelte sich vor dem Treffen mit Jürgen stundenlang vor ihrem Badezimmerspiegel auf. „Hast du das gesehen?“ - ein Fan stubbste sie empört in die Seite „Das war doch Foul! ! ! Auch die übrige Fankurve verkündete lautstark ihren Unmut.

Das Spiel lief weiter. Viona und Jürgen verfolgten die Spieler auf dem Feld; diskutierten; lachten; schimpften.

Die erste Halbzeit kam dem Ende entgegen. Viona wandte dem Spielgeschehen den Rücken zu, drehte den Körper um und hob den Blick aufwärts: oben an der Mülltonne stand Toni – sein Blick traf ihren... erschrocken verfolgte er die Spieler auf dem Rasen.

 

Die Kasse und der Mann verschwanden vor dem Halbzeitpfiff – am Ende der zweiten Hälfte stieg Viona in ihren Wagen; an einer Eisdiele stoppte sie, um sich einen Becher Erdbeere, Schokolade und Erdbeere zu organisieren.

Während sie ihr Eis schleckte, sahen sich die Augen die Umgebung an: Bäume, Wiese, Bänke – einfach, schlicht, gewöhnlich... Steine, Holz, Schatten...

 

Ines trank etwas Wein, schob ein Perlchen auf den Bouillon und legte die beiden silbernen Herzhänger daneben. Langsam zog sie den Draht etwas auf: ähnlich Viona kämpfte auch sie gegen eine Schaffenskrise.

Aber ähnlich dem weißen Bett sollten auch die Ohrringe mal in Angriff genommen werden...