die Ecke - ein Schritt noch auf dem Schotter - und die Nase der Frau stieß frontal mit einem dunkelblauen Knopf, einem blauen Hemd und einem Körper zusammen!

Den rechten Arm an den Türrahmen gestützt, stand er im Eingang des Kassenhauses.

„Na, und nun?“ Breit grinsend beobachtete die innere Stimme ihren Schützling.

Oh man, konnte die denn niemals verstummen?

Viona schloss die Augen und atmete tief ein: der Blick auf der Diagonalen durch das Kassenhaus, hätte ihr den Eigentümer des Leibes und des daran befindlichen After Shave – Toni - zeigen können!

 

Okay, jetzt war es definitiv zu spät... langsam wich sie zurück.

„Komm doch näher...“ Undurchsichtig betrachteten die braunen Augen die Frau – tiefgründig erforschte dieser Mensch das Blau im inneren ihrer Augen.

Ich schmelze – einfach schmelzen – darf ich bitte schmelzen...

Nach einigen Momenten senkte Viona den Blick...

Er griff sich mit der Hand an die Stirn und schloss seine Augen. „Die Kasse ist noch in der Tasche...“ Toni lies den Arm sinken, drehte sich um und trat in die Hütte. „...muss halt nur ausgepackt werden...“

 

Ein bisschen Zeit blieb den Beiden noch, bis die ersten Fans Eintrittskarten haben wollten. Toni brach auf, um sich etwas trinken zu organisieren: „Soll ich dir ´ne Cola mitbringen?“ Der Mann lief über den Schotter, entlang zur Fankurve.

Viona setzte sich außen an das Kassenhaus auf die Steine. Ihr Blick spazierte durch die Landschaft und die Gedanken beendeten den Rundgang an der Holzhütte... Eine Solche – nein, DIESE – besaß doch ein interessantes Dasein...

 

 

der quadratmetergroße Raum bestand nicht bloß aus Holz...

irgendwie vermochte er wesentlich mehr zu sein...

 

das Fußballspiel – welches man alle zwei Wochen auf dem Spielplan finden konnte – lies zahlreiche fiebrig glänzende Augen vor dem Bretterrechteck auf Einlass warten...

 

viel geredet – gelacht – diskutiert – geschimpft wurde an dieser scheinbar unscheinbaren Hütte...

 

kamen Hooligans konnte die Situation schnell brenzlig werden oder gar eskalieren...

 

könnte dieses Kassenhaus sprechen, hörte man nicht zwangsläufig Geschichten von dem Geschehen am Rande des Fußballfeldes...

 

dieses Holzhaus erzählte sicher von Chris und Paul; ihrem nächtlich unglücklich verlaufenen Schwimmbadbesuch;

wenig später deponierte Paul seine Kleider bei Viona; nach einigen Monaten wollte jemand vom Verein die Sachen entsorgen;

am Ende besaß die Frau ein T-Shirt, eine Freizeithose und eine Kappe des Sicherheitsdienstes...

 

von Interesse wäre wohl ebenfalls, als einer der Kartenabreißer die Stadionbesucher im Vorfeld als Verödete bezeichnete...

 

zur allgemeinen Belustigung würde vermutlich auch die Story beitragen, bei der Viona auf dem Weg ins Stadion von vier Wachmännern im Auto vor ihr ausgebremst wurde;

die Ampel sprang um auf grün – das Auto blieb stehen, die Unterhaltung der Männer verlief mit wild gestikulierenden Händen;

ein weiteres Mal zeigte sich die Wiesenfarbe – die Reifen hegten keinerlei Absicht sich zu drehen; der Verkehrsregler entschied erneut Grün zu zeigen - die Unterhaltung der Männer fand kein Ende...

ungeduldig hupte Viona und sofort führte der Weg weiter ins Stadion...

 

 

Als Toni zurückehrte gab er ihr einen Becher Cola, setzte sich um die Ecke auf den Boden und fing an, von dem Jungen in seinem Team zu erzählen, welcher sein Können noch nicht lange unter Beweis stellte.

„Rene trainierte – mit den Anderen, klar, alleine is´ das doof – trippelte, schoss aufs Tor und umspielte fiese Gegner wie häufig unterschätzte Maulwurfshügel.“

Viona runzelte die Stirn: natürlich... unterschätzen durfte man so ein plötzlich auftretendes Hindernis nicht!

 

„Da hast du doch einen wirklich einzigartigen Neuzugang für  deine Mannschaft gewonnen!“

„Ja, gewissenhaft ist er – durchaus!“

„Aber?“

 

„Er war Eins mit dem Ball. Das runde Leder klebte ihm am Fuß. Der Junge rannte. Lief immer weiter. Eilig bewegte sich Rene voran...

...und musste am Fahrradweg feststellen, dass er nicht mehr auf dem Fußballfeld war. Der Junge sah zurück... über die beträchtliche Fläche des Ackers und erblickte die wartenden Jungen aus seinem Team. Schultern zuckend trat er gemeinsam mit dem Ball den Rückweg an.

Am Feld angekommen, ging das Training ganz normal weiter.“

Viona schaute intensiv zu dem Maschendrahtzaun: „Oh... ja... der perfektioniert euch!“

 

Litizia schob eine weitere Perle auf den Draht, als zwei Beine über die Wiese kamen... „Brötchen?“

Jan lief mit der Papiertüte auf die Haustür zu...

„Kaffee?“ Eine nächste Kugel platzierte sich auf dem gekräuselten Draht.