Tüte löste widerwillig den Knoten, gab den Weg für die Brötchen frei und der kleine Korb füllte sich mit den warmen Semmeln.

Im selben Moment umgab die Frau ein Dufterlebnis bestehend aus Butter, Erdbeermarmelade und dem Inhalt des Papierbeutels. Ines griff einen Sonnenblumenkern vom Boden des Korbes.

 

Leise konnte man Jans Schritte im Haus vernehmen.

unter dem Stuhl gegenüber am Tisch verschwand ein schwarzer Punkt...

Die Sohlen wurden mit jedem Schritt deutlicher.

neben der Frau tauchte die nachtfarbene Nase der Samtpfote auf...

Als der Mann ins Freie trat, befand sich eine silberne Thermoskanne – das Aussehen besaß starke Ähnlichkeit mit einem Bömbchen - in seinen Händen.

der düstere Stubentiger setzte sich vor den Mann und fixierte hypnotisierend das silberne Gefäß...

 

Etwas irritiert wendete Jan den Blick zur Seite, runzelte die Stirn und erwiderte zu dem, der ihm den Weg versperrte: „Mein Ziel ist der Tisch. Im Falle des Hochgehens, muss ich dich aber leider enttäuschen... hier sind keine Trockenfutter-Mäuse drinnen! Fliegt dieses Baby – wider Erwarten – in die Luft, werden wir nur duschen... das klebt halt wie die Sau.“

„Mau?“

„Kaffee mit Milch und Zucker?“

Er beugte sich über das Tierchen - hin zum Tisch: „Normale hab´ ich nicht gefunden...“ Der Mann stellte zwei, schwarze Mokkatassen zu der Frau.

Die weibliche Person zuckte mit den Schultern, als die beiden Aufnahmehelfer für den Kaffee in ihr Blickfeld kamen.

 

„Magst du mitfrühstücken, Kater? Macht´s dir was aus, wenn wir einen Gast haben, Ines?“

„Mau!“ Verneinendes Nicken der Frau.

„Okay, dann sitzt du hier – mir gegenüber auf dem Stuhl...“

Der Stubentiger nahm vis a vis Jan Platz - das Schälchen füllte sich mit Kaffee, Milch und Zucker; der Mann stellte die Thermoskanne zurück, griff im hinsetzen ein Brötchen und bestrich es – während dem Abbeißen schloss er genüsslich die Augen - die untere Weckhälfte der Modedesignerin hatte ebenfalls rote Konfitüre obenauf...

 

Toni kam die Wiese entlang, lief zielstrebig auf die Haustür, stoppte kurz...

„Hallo Katze! Ist der Kaffee gut?“

„Mau!“

„Gute Wahl, is´ ja aber auch von Jan.

Ich geh hoch und fang zu streichen an.“ Schon war er verschwunden.

 

Ines widmete sich währenddessen der roten Hälfte. Jan füllte in die für den Zweck eigentlich viel zu kleinen Behältnisse dampfendes, hellbraunes Wasser und die Quelle des Erdbeergeruches erhielt seine Aufmerksamkeit.

 

„Wie läuft´s im Keller?“ Ines Blick spazierte von den weiter hinten stehenden Autos, zu den ersten Brettern für den Laufsteg und endete bei dem Mann.

„Ja... das Zimmer kann eingeräumt werden – es fehlt nur noch die Maske für den Schatten...“ Nach der Auskunft aß der Mann weiter.

Allmählich verschwand der letzte Krümel von dem Teller der Frau. Sie fing an, die ersten Entwürfe für eventuelle Kleidungsstücke auszupacken – auch eines der silbernen Herzpärchen fand direkt daneben Platz.

 

Der Blick des Mannes heftete sich an die kleine Tüte und deren Inhalt.

„So ein Herz ist doch ein lesenswerter Gegenstand...“ Die weiblichen Finger ergriffen das Plastiktütchen.

„Wie genau meinst du das?“

„Schau, hier unten an der Spitze beginnt es...

Die Gefühle schlagen – bei jedem anders - Purzelbäume.

In der Mitte treffen sie sich schließlich.“

„Okay, möglich...“ stirnrunzelnd warf er noch ein “Und was ist mit den anders Geformten?“

Ihr Gehirnrechner arbeitete nicht lang und sagte „Manchmal merkt es die eine Seite halt erst später...“

 

Jan dachte über das Ganze mit den Herzen nach. „Die Entstehung von diesen Formen ließe sich doch auch anders erklären...“

Ines drehte das Tütchen mit dem silbernen Gegenstand nachdenklich in der Hand: „Wie genau soll das aussehen?“

“Ich denk mir das so: Viona würde doch schon gerne mal nach Venedig, wenn nur das viele Wasser nicht wäre, richtig?“

Diese Ansicht stieß auf volle Zustimmung.

„Aber ohne Wasser gebe es keine Überführung...

ein Architekt plant und berechnet – das wäre die erste Hälfte;

reine Herzsache ist dann das Bauen und Verfeinern - so muss die andere Seite aussehen;

die Spitze – das Ergebnis - ist dann die Rialto-Brücke.“

 

Der Pinsel fuhr ein letztes Mal über die Wand: nun stand Toni mittendrin in der Dämmerung!

Im Himmel fanden sich unzählige Farben wider – von Zitrone bis hoch oben indigo; je weiter runter man sah, desto klarer wurde der Nebel; der See auf dem zwei Schwäne umher schwammen, ließ sich schemenhaft erkennen; ein Vogelschwarm wollte die nächsten Tage im Hintergrund aufsteigen...

Das Zimmer daneben bekam einen nachtblauen Anstrich – der Saturn käme dann bald in die Umlaufbahn...

 

Viona wollte gerade an der Halle vorbeifahren, als der Wagen vor ihr stoppte.

auf der Ladefläche des Kleintransporters befanden sich unterschiedlich große Fenster; er bog auf die Freifläche ab;

gegenüber – Einfahrt zu einem Parkplatz – stellte man ein Kassenhaus auf; bald würden sich viele Besucher bei den Ausstellern über die unterschiedlichsten Materialien und Gegenstände informieren;

gerne wartete die Frau bis das Gewusel ein Ende fand und die Fahrbahn wieder passiert werden konnte.

Ab Donnerstag sollte sie für vier Tage den Leuten den Einlass mit gültigen Tickets erleichtern.

 

Mit glänzenden Augen saß Viona in dem Holzhaus und beobachtete die wenigen Menschen, welche die Straße überquerten. Die Messe hatte noch keine halbe Stunde geöffnet.

Auf einmal tauchte Jan in ihrem Blickfeld auf! “Moin. Kann ich mein Bömbchen bei dir unterstellen?“ Er gähnte.

Was genau meinte er? Kritisch verfolgte sie das Auftauchen der Thermoskanne auf der anderen Seite der Glasscheibe und ein Lächeln erschien in ihrem Gesicht.