Tage nach dem Toni gestrichen hatte, trat er mit zwei großen, überquellenden Beuteln in das nachtblaue Zimmer - ließ einen darin stehen und ging weiter durch die Tür in den Sonnenuntergang.

Sein Blick wanderte prüfend über den Himmel...

Vor ihm tauchte unter dem Baum am See ein alter Kahn auf...

Zusammen mit Viona nach Libellen schauen...

Die Frau in den Arm nehmen...

Gemeinsam mit ihr die Regenbogenfarben der Flugtiere bewundern...

Oh, seine Gedanken befanden sich auf fremden Gebiet!

Der Mann griff die ersten Vögel für die Wand, zog eine Handvoll davon hervor und begann den Schwarm sichtbar werden zu lassen.

 

Viona war hinter ihm ins Zimmer getreten und betrachtete nun rundum die bereits angefangene Natur. Der hockende Körper ließ sie abrupt in der Bewegung innehalten!

Toni spürte ihre Anwesenheit... stand auf; roch denselben Duft, welcher alle zwei Wochen das Kassenhaus ausfüllte und drehte leicht den Kopf zur Seite.

„Die ersten Vögel steigen schon auf... der Schwarm wird noch wachsen... ein zahlreicher, verbleibender Rest befindet sich noch in der Tüte. Hast du Zeit...“ der Mann fuhr sich durch die Haare „...die Anzahl der Tiere zu vergrößern?“

 

Während beide Personen schwarze Striche an die Wand klebten, erzählte der Mann von seinen Schützlingen beim Fußball.

„Ein Hummelchen hat den Jungs beim Training den Kopf verdreht?“ Ungläubig wanderte ihr Blick den Stamm hinauf in die Baumkrone.

„Naja, flott war ´se schon... und anschließend hatte die brummende Kugel den Platz wirklich leer gefegt!“

 

Das Zimmer ließ sich fertiggestellt - naturähnlich - schön ansehen.

Es war Zeit für das Highlight!

Toni ging zu dem angefangen Beutel, griff hinein und seine Hände führten einen Stapel unförmiger Holzklötzchen an die Oberfläche.

Die Nylonschnur zog die herabfallenden Hölzer in die Höhe und zum Vorschein kam... eine Möwe!

Noch einige Schwingvögel mehr fanden den Weg an die Decke... Danach stand das nachtblaue Zimmer an.

 

Als Toni der Frau die Pforte öffnete, lief sie zielstrebig in die Finsternis. Zu spät bemerkte Viona, dass diese Umnachtung ins

Nichts führte und dort böse enden konnte!

Hinter ihr verschloss sich der Eingang.

 

„Keine Angst...“ Der Mann murmelte dicht an ihrem Rücken in die langen Haare.

Das Schlagen in der Herzgegend stieg urplötzlich so heftig an: Warum nur schmerzte es?

Toni roch den Duft der ihn mehr als gegenwärtig umgab.

„Was für ein Ort ist das und Warum ist es nicht hell?“

Sehr still kam die Frage; genauso ruhig stand die männliche Person weiterhin hinter dem Körper und bewegte sich keinen Millimeter.

 

Nach längeren, vergangenen Sekunden kam Bewegung in den Mann.

„Nicht erschrecken... ich möcht´ dir mal was zeigen...“

Gespannt sah Viona ins Nichts und wartete auf das, was dann geschehen würde...

...ein Schalter klickte...

Augenblich fanden sich die Beiden in der Galaxie wider!

Sterne und Nebel leuchteten zahlreich an dem virtuellen Firmament – es überwältigte einen sehr mittendrin zu sein!

„Das ist unglaublich...“

Fasziniert drehte sich die Frau erneut im Kreis. „Wie hast du das gemacht?“

„Wandfarbe, Schwarzlicht und Interferenzmalmittel machen´s möglich...“

Beeindruckt wanderte ihr Blick durch das Universum.

 

Die Sterne verwandelten sich in Augen... Viona stoppte und sah unverwandt zu Toni.

Der Mann beobachtete sie... jetzt standen die Füße still und die blauen sahen in die braunen Sehorgane.

 

Dieser Blick dauerte.

 

Es kribbelte im gesamten Körper! ...er brauchte bloß einen, kleinen Schritt auf die Frau zu gehen, dann würde Toni direkt vor Viona stehen.

 

Aber der Mut war gerade mal verhindert...

 

Der Blick dauerte weiterhin an.

 

Ihr wurde flau im Magen; im Kassenhaus standen beide auf

ähnlich, engem Raum zusammen; er roch so gut; männlich; würde sie nach ihm greifen... Viona konnte ihn dann erreichen.

 

Allerdings war Mut so gar nicht ihre Stärke...

 

Der Mann sah leicht säuerlich nach oben und legte hilflos die Hände auf die Oberschenkel – sie senkte etwas desillusioniert den Kopf – Toni fuhr sich mit den Händen über sein Gesicht.

 

Die Tüte erhielt plötzlich einiges an Aufmerksamkeit: zum Vorschein kam eine große, weiße Styroporkugel – es folgte ein schmaler, langer Streifen in derselben Farbe.

„Gibst du dem Ganzen sichtbare Pigmente?“ Er versuchte mit Hilfe der Linie den Saturnring darzustellen.

Schon bald ging Viona mit ihren Fundsachen an die Arbeit.

 

Der Mond leuchtete außerhalb des Raumes am Himmel – innerhalb der vier Wände zog seit wenigen Minuten der Saturn seine Bahnen. Damit waren die Arbeiten an den beiden Zimmern abgeschlossen.

Abschließend musste aufgeräumt werden und die beiden, wartenden Autos würden wenig später nach Hause rollen.

Toni verabschiedete sich mit den Worten: „Man sieht sich...“

und fuhr davon...