präsentierte sich die Landschaft... noch.

Eine federartige Brise zog sachte durch die Atmosphäre und vermochte nichts auszurichten gegen diese hellen Strahlen.

Gegenüber auf dem Fluglatz stand ein Doppeldecker startklar auf der Rollbahn... jedoch konnte man weit und breit niemand sehen, der demnächst damit abheben wollte.

Eines der drei gegenwärtigen Lebewesen summte träge durch die Luft. Ein Schmetterling setzte sich auf einen Stein, ziemlich nahe bei den Schuhen der Frau. Allem Anschein nach suchte auch er die kühle Erfrischung.

 

In etwa einer Stunde würden so langsam die ersten Fans eintrudeln - solange wäre es aber friedlich und sie dachte nicht im Traum daran, sich in dieser Zeit zu bewegen. Die schlanke Frau verschränkte die Hände, drehte diese durch die Arme und legte die Ellbogen auf den Knien ab. In der Hoffnung vielleicht doch einen winzigkleinen Hauch auf den Armen abzubekommen, lies sie die ausgestreckten Gliedmaße so liegen und verweilte die nächsten Minuten in dieser Haltung.

Der Schmetterling rührte sich bei ihrer langsamen Bewegung nicht von der Stelle und nahm weiterhin den Stein anspruchslos in seinen Besitz.

 

Gedämpft knirschte es ein Stück weit weg auf dem Steinmaterial. Das Geräusch entwickelte allmählich klarere Laute - schon bald konnte man auch erkennen, was den Ton auslöste: Schuhe liefen auf das Kassenhäuschen zu...

Leise klagend lehnte Viona den Kopf an die Holzhütte, als auf einmal ein Gefäß neben ihr auftauchte! Kühle Tropfen rannen langsam daran hinunter: ein eisgekühlter Becher Cola!

„Wenn du ihn willst, sollten deine Hände jetzt danach greifen.“, sprach eine sanfte, tiefe Männerstimme hinter dem Kassenhaus zu der Frau. „Oh...“ seufzte sie leise, griff nach dem kalten Getränk und leerte den Behälter zur Hälfte.

 

Während Viona sich an der Erfrischung erfreute, nahm die Person um die Ecke auf dem Schotter Platz. Dort lehnte er den Kopf an das Holz, stellte die Beine auf und legte atmend die Arme auf die Knie.

Viona nahm den Becher in die Hände, platzierte ihn auf dem Bauch und schaute zu dem Schmetterling. Ein sonniges gelb ermöglichte dem kleinen Insekt in einem Lichtermeer transparent aufzuleuchten.

„Wer bist du?“, ging die Frage leise an den Fremden.

Der Mann fuhr sich mit der Hand durch die Haare und schloss seine Augen: lange Zeit wartete er auf derlei Gelegenheit – endlich bot sich ihm eine Solche und ausgerechnet an diesem Tag regierten Temperaturen, dass man sich nicht einmal bewegen wollte!

„Ich bin der, der mit dir in der Sonne schmelzen wird...“

 

 

Vor einigen Monaten kam Anton - genannt Toni - zum kassieren zu diesem Fußballverein. Ursprünglich spielte der gutaussehende Mann in einer kleinen Mannschaft in seinem Dorf – für einen Profi riskierte der Spieler aber zu wenig und inzwischen bremste ihn auch das Alter (25 Jahre) aus. Also änderte der Mann seine Prioritäten... neben dem Sport schulte er nun die Kleinsten. Wobei sich den Verantwortlichen des Vereins die Frage stellte, was genau der Exspieler da trainierte: Fußball spielen oder Unsinn treiben?

Ansonsten stand Toni als stiller Beobachter am Spielfeldrand.

 

Ein Kollege sprach ihn vor einigen Monaten wegen dem regionalen Fußballverein an - man bräuchte Unterstützung an Kasse und Ticketschalter. Hier sah er sie zum ersten Mal... Weinrote, glatte Haare, Jeans und ein weiter Pulli. Alle zwei Wochen hielt Toni Ausschau nach der Frau gegenüber im Kassenhaus und beneidete die Wachmänner um den Job in ihrer Nähe. Aber – er fiel ihr nicht auf und dem Mann fehlte der Mut um sie anzusprechen.

Seine Kollegen in der Versicherung bekamen Wind von dieser Situation und halfen einem Zusammentreffen etwas nach.

 

 

Nach einiger Zeit sah man von hinten am Aueweiher zwei Personen den schmalen Trampelpfad entlang geschlichen kommen: die beiden alten Männer die zu jedem Heimspiel kamen.

„Wir müssten die Kasse vorbereiten... was meinst du?“

„Müssten wir wohl...“

Langsam stand Toni auf, half ihr hoch und der Weg endete in der kleinen Hütte.

In dem Räumchen nahm der Mann die mitgebrachte Stofftasche und fing an, diese auszupacken.

Die kleine Kasse bekam auf der dafür vorgesehenen Holzfläche ihren Standort; die Geldrollen fanden Platz daneben; einen Stapel Stehplatzkarten hielt er Viona, die hinter ihm stand, hin. Völlig überrascht griffen ihre Hände danach. Als sie seine Haut berührte, sah die Frau verwirrt zu Boden: dieses Gefühl, das gerade durch ihren Körper huschte, lies sich im ersten Moment nicht beschreiben! Etwas zerstreut entschuldigte sich Viona bei ihm. Lächelnd bemerkte er „Nicht dafür...“

 

Der Wachmann kam des Weges geschlendert und der Ansturm der unverwüstlichen Fans konnte losgehen. Gemächlich trafen immer mehr Leute ein und an die Wärme dachte niemand mehr.

Jürgen, einer der Anhänger die zu jedem Spiel ins heimische Stadion kamen, trug – wie jedes Mal – viele Schals der ganz großen Fußballvereine an beide Arme gebunden... dafür verzichtete der junge Mann auf das T-Shirt.

„Hi, ist das nicht warm?“ wollte Viona von ihm wissen, als die Eintrittskarte den Besitzer wechselte. Er grinste nur und meinte „Nö, nö.“

 

Nachdem der Ansturm Menschen einlass gefunden hatte, wurde es ruhiger und der Wachmann trat vor das Kassenhäuschen. Er hob die schwarze Schildkappe hoch und fuhr sich mit der Hand durch die kurzen, dunkelblonden Haarstoppel. Dann suchte sein Blick Vionas. “Da drinnen muss die Luft doch stehen.“, stellte der Mann sachlich fest. Doch anstelle der Frau antwortete Toni spöttisch und kurz angebunden „Das geht schon...“ Irritiert schaute der Kartenabreißer zu der Frau. Diese drehte sich wortlos um, ging durch die Tür und setzte sich erneut auf die Steine. Der Sicherheitsmensch gesellte sich zu ihr und so verbrachten Beide den Rest der ersten Halbzeit.

 

Anfang der zweiten Hälfte brachten Viona und Toni die Kasse zur Geschäftsstelle. Anschließend verabschiedete sich Toni mit den Worten „Man sieht sich“ von der Frau... Danach trennten sich ihre Wege...