drehte Litizia die kleine, venezianische Maske zwischen den Fingern und blies eine blonde Locke aus ihrem Gesicht.

 

 

Seit dem Zwergentempel kannten sich die beiden Frauen.

In dieser Zeit stand oft ein Pferd im Sonnenschein auf einer Wiese... das Alles offenbarte äußerst ausdrucksstark mit Buntstiften oder Wasserfarben die kindliche Idylle.

Später verbesserten die Konturen dieses Erscheinungsbild: die Tiere konnte man nun deutlich erkennen. Das Ganze wurde in Pastellkreide dargestellt.

 

Im Laufe der Jahre änderten Motive sowie Arbeitsmittel die jeweiligen Resultate: Viona designte Schlafräume ~ Litizia entdeckte den kühlen Rohstoff Stein zum weiterverarbeiten.

 

 

„Das Einzigste, was ich wirklich sagen kann ist, dass dieses Bett einen Himmel bekommen soll... denke ich.“ Viona nahm ihren Eiscáfe und beanspruchte den Strohhalm.

„Würde es dir weiterhelfen, wenn ich diese Maske in Speckstein größer darstellen würde?“ Grübelnd ging Litizia in Gedanken das Material durch, das ihr für solch ein Vorhaben zur Verfügung stand... vielleicht gab es noch etwas geeigneteres als das Ausgewählte.

Ein leichter Biss in das Saugröhrchen, nachdenklich wanderte Vionas Blick aus dem Dachfenster in den Himmel. „Ich hab´ keine Ahnung...“ Ratlos sahen die Sehorgane zur Freundin.

 

Lange, lockige Haare rahmten Litizia´s Gesicht ein, in schmalen Jeans-Schlaghosen steckten ihre Beine und die braunen Augen mit einem hellen, blauen Schimmer darüber, schauten zu der kleinen Maske hinunter. Auf dem Bauch zwischen den Falten der luftigen Tunika lag das Metallstück.

Schon öfter saßen beide zusammen und arbeiteten fieberhaft an Ideen. Doch dieses Mal sah es aus irgendwelchen Gründen anders... schwieriger aus. 

 

Abends nach dem Essen nahm Toni sein Glas und die Flasche Cola, setzte sich im Wohnzimmer auf sein Sofa und schaltete den Fernseher an. Der Tag in der Versicherung ließ ihn am Abend zermürbt nach Hause gehen.

Das Programm vom Vorabend zeigte eine Krimiserie... danach stand ihm nicht der Sinn – der Mann schaltete weiter; im nächsten Sender lief eine Liebesschnulze... das fehlte noch: dieses Thema nannte sich nicht unbedingt seine Meisterdisziplin und im Moment... - die Fernbedienung wurde erneut gedrückt; Fußball... Viona – Toni schaltete ab.

Diese Frau verfolgte ihn bei jedem Sonnenaufgang, alle Wolken sahen ihr ähnlich und in seinen Träumen tauchte immer wieder dieselbe weibliche Person auf. Wenn sie im Kassenhaus neben ihm stand, ahnte Viona nicht, was in Toni vorging.

Hilflos tauchte der Mann sein Gesicht in die Hände.

 

Leise maute eine Katze vor dem Fensterladen.

Toni stand auf, ging um den Couchtisch herum und setzte sich an seinen Sekretär. Seufzend stützte der Mann den Kopf auf die Hand: was war es, das ihm so schwer zu schaffen machte, dieser Frau mitzuteilen, wie er ihr gegenüber empfand?

Vor dem Fenster konnte man ein erneutes miauen vernehmen.

Missmutig griffen die männlichen Hände nach der Illustrierten die auf der Tischplatte lag - schlugen die erste Seite auf.

Sein Blick wanderte zu der Person, die ganz offensichtlich Vergnügen an der Beschäftigung fand, welcher sie auf dem Bild nachging. Blauer Himmel umgab den Fremden, die Sonne ließ das Schwarz des blitzblanken Helmes aufleuchten und cool grinste der Mann auf seiner Harley. Die impulsive Maschine trug selbstbewusst ihre Klasse vor und versprach eine Menge frische Luft und viel Sonne.

Warum konnte Toni nicht sein wie der Mann in der Zeitung? Na ja, vielleicht nur ein bisschen...

Herzzerreißend maunzte es vor der geschlossenen Öffnung.

Toni trank das Glas leer; stand auf; schlich in sein Schlafzimmer; schlug die Bettdecke zurück, setzte sich auf das Laken und fing an, das Hemd aufzuknöpfen.

Diese ganze Situation trieb ihn geradewegs zum Mäuse melken...

 

Wenig später wachte Toni durch das Miauen des Vierbeiners auf. Genervt erhob er sich und schlich an das Fenster. Als die Glasscheibe nach innen aufsprang, strömte nicht nur kalte Luft in das Zimmer: die schwarze Katze war mit dabei!

„N´Abend... schön dich mal kennen zu lernen.“ Die saphirblauen Augen leuchteten bei dem Sprung in den Raum kurz auf. „Komm doch rein...“

Die Antwort brauste ihm fidel entgegen: „Mau“

Toni wandte sich dem kleinen Besucher zu “Gerne. So, aber jetzt wär´ dann auch schon Zeit zu gehen. Komm´ ich bring dich...“ Unter dem Bett sah der Mann nur noch einen schwarzen Rest verschwinden. „...zur Tür.“ Er schloss kurz seine Augen und kroch der Samtpfote nach. Erwartungsvoll sahen ihm die blauen Augen entgegen. Als die Hände nach dem schwarzen Körper greifen wollten, robbte das Lebewesen zurück... gerade soweit, dass Toni nur mit den Fingerspitzen das Fell berühren konnte.

„Ich wollte schlafen.“ Die Hände gekreuzt, legte der Mann seinen Kopf darauf und schloss die Augen. „Mau...“ das Tierchen stand auf. Ihr Weg führte an Toni vorbei; ein Sprung auf das Bett; kuschelte sich in die Decke; die Katze lag mit den Füßen in die Höhe gestreckt; „Mau“ – Toni tauchte am Bettrand auf: „Warum bist du bei mir?“

Der Salonlöwe stand auf, ging zu dem Gesicht des Mannes und lies ein kleines Papier fallen: ein Foto von Viona...

 

Das Auto bog auf den Parkplatz des Baustoffmarktes und fand gleich am Eingang eine passende Lücke um die Fahrt zu unterbrechen.

Viona schaute kritisch auf die umstehenden Fahrzeuge – Kombi´s, PKW mit Anhänger und Klein-LKW´s, auf deren Ladefläche ganz unterschiedliche Materialien zu finden waren.

„Denkst du, wir gehören hierher?“ Litizia sah zu der Freundin. „Nö, wir passen gar nicht an diesen Ort. Die haben aber eine solche Auswahl, wie wir diese brauchen.“

Die Schultern zuckend stieg die Beifahrerin aus.

 

Stunden später stand der letzte Baumarkt auf dem Plan.

Zum wiederholten Male endete der Weg bei dem Laminat – doch vermehrt davor stehen brachte auch nicht unbedingt das Meiste. Umher blicken lies sie etwas entdecken: Deckenpaneelen... Eine lag als Muster auf den Paketen.

Samtig weich fühlte sich das leichte Brett an; in Gedanken sah die Frau den weißen Stein schon fertig als Bett gebaut; zusammen mit den weißen Brettern als Rahmen drum herum wäre es vollkommen...