fuhr das Zewa über den Saum des Kleides der Specksteinskulptur. Litizia richtete sich auf, betrachtete die 1 Meter große Statue und wischte ein letztes Mal über vereinzelte Stellen: nun konnte die weibliche Person in ihrem Kleid zu dem Maskenball gehen und anmutig ein paar Runden drehen!

Die junge Steingestalterin griff nach der Wasserflasche und nahm einen tiefen Schluck. Ihre blonden Locken ruhten - gebändigt in einem Knoten - im Nacken; einzelne gelöste Haarsträhnen spielten der Frau um die staubige Nase.

Viona riss sie so mit dem „Venedig-Fieber“ mit, dass Litizia das größte Stück Speckstein - welches sich auf die Schnelle finden lies - organisierte. Eine Frau in einem hellen Kleid und mit aufwendiger Maske trat langsam aus dem festen Material heraus!

Eine Überlegung für ein Bett brachte die Italienerin am Morgen zu Papier. Vionas Idee mit den Deckenpaneelen um den weißen Stein herum, sah nicht schlecht aus... wirkte allerdings eher eindruckslos und unspektakulär.

Ein Vorschlag zum aufpeppen, könnte wirklich hilfreich sein.

 

Aufmerksam folgte Jan den Ausführungen seines Gegenübers.

Dieser Gedanke, der ihm da vorgetragen wurde, hörte sich gut an! Eine Überlegung ging ihm allerdings durch den Kopf: „Was wäre, wenn alles - z.B. der Motor - in den Autos bliebe? Die Flüssigkeiten rauslassen dürfte für eine Woche reichen.“ Nachdenklich fixierte Toni den Boden und stimmte dem Gesagten zu.

„Was für ein Glück, dass du dich mit Kunstausstellungen auskennst: die Suppenhühner kann man im Moment wirklich nicht stören.“

„Wer sagt, dass ich mich mit so etwas auskenne?“ Der Blick des Wachmannes ging fragend zu dem Kassierer... „Du?“. Dieser wehrte ab „Nicht die Spur.“.

Aus tiefster Gewissheit kam Jan zu dem Ergebnis „Das kann nur ein Erfolg werden!“

 

Bald schon erreichten die ersten Leute das Stadion, sodass ein Ideentausch nicht in Frage kam.

Der letzte Besucher erhielt nach einer gefühlten Ewigkeit die Karte, welche die Pappe des 100er-Block zum Vorschein brachte, und Toni teilte Viona nun seinen Einfall mit.

„Die Autos werden also umfunktioniert zu Bilderrahmen...“, sinnierte die Frau wenig später... ihre Schwäche zu bestimmten Modellen behielt sie dennoch für sich.

Kleinwagen vom Schrott auf dem Grundstück verteilen; die Bilder an den Scheiben befestigen; das Ganze umrahmt von der Natur. „Wo hast du so was schon mal gesehen?“

„Findste nicht gut?“

„Im Gegenteil: ganz große Klasse ist das!“

Toni atmete erleichtert auf.

Viona legte die Stirn in Falten „Autos und Betten müssten nur noch so zusammen gebracht werden, dass es einen Sinn herstellt.“

„Warum Betten?“ hakte Toni nach.

„Weil ich Schlafzimmer male.“

„Hem...“ Der Mann seufzte „Das macht es jetzt nicht unbedingt leichter.“ Er dachte weiter „Warum malst du Schlafzimmer?“

„Weil ich´s kann.“

Toni fuhr sich lächelnd durch die Haare. Zurückhaltend sah er zu ihr hin und blickte direkt in ein paar helle, blaue Augen.

„Was kannst du?“ Dass Jan zum Kassenhaus getreten war, bemerkten beide erst in diesem Moment. Toni stöhnte leise auf „Betten und Autos müssten in Einklang gebracht werden.“

 

„Ich hatte Besuch von dem kleinen Perser.“ Der Kassierer erzählte von dem denkwürdigen Treffen mit der schwarzen Katze. Das Papier, das ihm die kleine Samtpfote mitbrachte, wurde dabei nicht erwähnt - allerdings fiel ihm der Zettel ein, den das Tier der Frau dagelassen haben musste.

„Hast du inzwischen das Motiv gemalt?“

„Die Idee für ein venezianisches Bett fehlt noch, aber ich arbeite dran.“

„Was fehlt?“

„Alles.“

„Was hast du bis jetzt?“

„Stein und Deckenpaneelen“

Die nötige Erklärung folgte.

„Okay, diese weißen Bretter sollen also um den weißen Gasbetonstein herum – entspricht das deinen Vorstellungen?“ Toni sah fragend zu der Frau und die Sicherheit verschwand augenblicklich... Wenn das fertige Modell in einem weißen Raum stehen sollte, kein Auge würde das sehen! „Ich hab´s verstanden, sag nix.“ Ein wenig kleinlaut ging Vionas Blick den Weg zur Gegengerade hoch.

„Stell es doch in den Keller und lass das Licht aus.“

Für diesen Vorschlag erntete Jan einen vernichtenden Blick.

 

Fragend sah die Frau zu dem Klappern neben ihr: Toni packte die Kasse schon zusammen! Er schlug vor, auf dem Hügel weiter zu kassieren... von dort aus könnte man auch das Spiel beobachten.

Zielstrebig wählten beide den Schotterweg; an oberster Stelle angekommen, zog Toni eine Mülltonne heran, auf der die Geldkassette Platz fand; das Spielgeschehen wurde anschließend aufmerksam beobachtet.

„Oh nein!“ schimpfte Viona plötzlich los. Toni warf zeitgleich die Hände in die Höhe! Die eigene Mannschaft kassierte ein Tor! „Diese Abwehr kann so nicht funktionieren!“ Der Mann hielt sich theatralisch die Hände vor sein Gesicht. Überlegend schaute die Frau zu den Spielern „Wie hätte man das vermeiden können?“ Lange musste Toni nicht darüber nachdenken: „Man sollte die Spieler der gegnerischen Mannschaft von unserem Tor weglocken, dann vielleicht wäre die Chance größer, dieses Spiel noch zu gewinnen.“

Viona sah zu dem Mann. „Was bei Kindern funktioniert, sollte auch bei Erwachsenen wirken.“, stellte er fest. Und dann folgte ein Bericht von dem Training bei seinen Kids.

 

„Du gibst dem Torwart der gegnerischen Mannschaft eine Tafel Schokolade, damit dein Stürmer das Tor überhaupt erreicht?“ Unschuldig sah Toni Viona an. „Hey, es war Noisette!“

„Ah so. Dir ist aber schon klar, das der Junge dadurch nicht zwingend schneller wird.“

„Da kennst du Pascal schlecht: geht es um Schokolade, wetzt dieser gertenschlanke Junge leichtfüßig übers Feld – ansonsten hat der Bleifuß von dieser neumodischen Erfindung „laufen“ noch niemals zuvor etwas gehört! Yves ist flink wie ein Wiesel und der ist übergewichtig wie eine volle Regentonne.“

“Was für eine Chaotentruppe trainierst du?“ Viona drehte schmunzelnd den Kopf zur Seite. „Denkst du, die da unten würden auf Schokolade reinfallen?“

 

Ines kam – eine Bratwurst essend – von der Gegengerade herunter gelaufen. „Es muss doch ein Gespräch mit Litizia wegen der Ausstellungsmöglichkeit stattfinden, richtig?“ Viona bejahte. „Sollten die Jungs nicht mit dazukommen?“