strömte der Geruch des Salates durch den Raum - die Oliven steuerten ein erstes Gefühl vom nächsten Sommer bei. In einigen Wochen stand jedoch erst einmal Weihnachten auf dem Plan, danach käme ziemlich bald schon die Blütezeit und bis zur Hitze in der Mitte des Jahres brauchte es dann bloß noch einen Katzensprung... so schnell konnte es gehen!

Sie seufzte: war das noch lang.

 

An diesem Tag schien die Sonne eines der letzten Male angenehm warm. In etwa zwei Stunden kämen Ines, Litizia, Jan und Toni zu Viona... man wollte alles rund um die Möglichkeit für eine Ausstellung besprechen.

Bis es so weit wäre, konnte sich der „Salat Nizza“ in Ruhe setzen – genügend Zeit den Garten auf Vordermann zu bringen.

Die Schublade im Sideboard brachte zum Vorschein, was Viona suchte: aus einem Töpferkurs - den die junge Frau vor einigen Wochen besuchte – die entstandenen fünf kleinen Keramikkartoffeln! Die Erdäpfel sollten als Deko auf dem Tisch platziert werden.

 

Die Türkante schwang später an der Nase von Viona vorbei und zum Vorschein kam... Toni.

„Hallo“ grüßte die Frau unsicher „Wo sind die Anderen?“. Der Mann schaute entschuldigend hinter sich „Oh, ja... ehm – ich denke...“ sein Kopf drehte wieder zurück „...ich bin alleine.“ Sehr tief blickten die männlichen, braunen Augen in ihre... Einen langen Moment verweilten die Sehorgane wie Magnete ineinander.

„Ich habe etwas zu essen mitgebracht...“ Räuspernd senkte er seinen Blick... besser, als gerade eben, konnte die Situation wohl kaum werden! Leider fand bislang keine Harley den Weg zu ihm – locker und cool waren mehr die Anderen. Unbehaglich fluchte der Mann leise.

„Leute mit...“ tief atmend fuhr die Frau fort „...essen, sind immer willkommen. Was hast du mitgebracht?“

„Kürbiskerne, Sojasprossen und Keimlinge.“ Ines stand mit Litizia grinsend im Treppenhaus.

„Na prima und was essen wir?“ Eine Geisterstimme stellte diese Frage – Litizia beantwortete ungetrübt Jans rätseln: „Das Gegrillte.“

Der Mann bedachte sie mit einem verächtlichen Blick.

 

Die Schüssel mit dem Salat trug Viona dicht an den Bauch gedrückt vor sich her. Alles stand im Garten bereit; es fehlte nur noch das Gefäß aus dem Kühlschrank; auf dem Weg durch den Flur kam ihr Toni entgegen.

„Was hast du denn da?“

„Was gutes, gibt´s aber erst beim Essen... Finger weg“ Leicht schlug Viona nach der Hand, die schon bald siegreich ein Stück Gouda in die Höhe hielt. Genießerisch schob er den Würfel in den Mund. „Ja... das ist wirklich gut...“ Grinsend griff der Mann einen weiteren Käsehexaeder „Magst du mal probieren?“

Die Frau neigte den Kopf zur Schulter „Ähm...“ diesen Augenblick nutzte Toni und schob ihr sehr sinnlich das Käseteilchen in den Mund.

Viona nahm den herben Geschmack von dem Würfel wahr, schloss die Augen und leckte über seinen Finger an dem etwas Basilikum klebte. Die Augen öffneten sich „Probier doch mal...“ ihre Hand schob eine Olive in den Schlund des Mannes.

Dieser nahm sanft den Finger mit den Zähnen gefangen und fing an, mit der Olive zu spielen...

Schon lange war das Gemüseteilchen verschwunden, als er den Finger zögerlich freigab.

 

„Hier, bitteschön.“ Langsam rutschte die Bratwurst auf den Pappteller; von dem Kräuterbaguette brach Litizia ein Stück ab; schenkte sich noch Weißwein ein: „Wie genau soll das Ganze ablaufen?“

„Zuerst brauchen wir...“ Ines schaute zu Jan „Wir sollten uns das Grundstück mal ansehen?“

Viona kaute überlegend auf dem Stück Wurst „Welche Form hat das Haus? Wie groß ist es?“

Der Mann kramte ein Foto aus seiner Tasche und legte es vor die Frau.

Das Papier zeigte ein großes, rechteckiges Haus, umgeben von grün... sehr viel grün.

„Genug Platz für einige „Bilderrahmen“ wäre wirklich vorhanden. Ein Thema könnte der ganzen Sache einen Rahmen geben...“lief sie das Grundstück in Gedanken ab.

„Was machen wir mit dem Haus – kann es mit einbezogen werden?“ Litizia dachte an ihre Maskenballbesucherin aus Stein.

„Das Gebäude steht leer, es ist komplett in eurer Hand – auch der Keller...“ Jan zwinkerte Viona zu.

„Ja genau, das Bett! Leute, mir kommt doch gerade mal so eine Idee: was wäre, wenn wir „Venedig“ als Oberbegriff wählen?“

„Romantik und Auto – wie bringt man das zusammen?“ Toni wurde nachdenklich und Ines jubelte, weil sie sich plötzlich in der Situation befand, in der die Frau ihre erste, eigene Kollektion entwerfen konnte... mit allem, was dazu gehörte!

 

 

Schneller als gedacht, erreichte man die Adventszeit und mit ihr die gebräuchlichen Feierlichkeiten. Der Fußballverein lud alle Kassenleute zum Essen ein. Als würden beide zusammengehören, trafen Viona und Toni auf dem Parkplatz der Gaststätte aufeinander, gingen gemeinsam hinein – aßen – anschließend verabschiedete sich der Mann mit den Worten: „Man sieht sich“. Die zwei Personen fuhren dann... getrennten Weges... nach Hause.

Schnell verflog auch die Zeit der Winterpause und schon standen Viona und Toni wieder im Kassenhaus. Sie freute sich, die zwei älteren Herren wieder zu sehen: Toni reagierte gleichgültig.

Als die Gelegenheit nahe lag, nahm die Frau des Hauptkassierers Viona zur Seite, um ihr mitzuteilen, dass man versuchte, Toni dazu zu bewegen, endlich für klare Verhältnisse zu sorgen. Es konnte keiner mehr mit ansehen, wie sich der Mann täglich in der Versicherung quälte, seine Konzentration bei der Arbeit zu behalten, obwohl man ihm ansah, dass es lang nicht so einfach war, wie er alle glauben machen wollte.

Und sie? Wirkte schüchtern und unbeholfen, um in dieser Sache etwas zu bewegen.

 

„Schaut mal, wie findet ihr die?“

Ines hielt zwei Ketten in den Händen; die identischen Anhänger, mit den jeweils beiden lose ineinander, verbundenen Herzen, leuchteten silber der neuen, zugedachten Aufgabe entgegen; die Designerin holte ihre ersten Entwürfe heraus „Ohrringe fehlen jetzt noch - diesen Part werden die Formen hier übernehmen.“

„Wenn ich das sehe, fehlt wirklich nur noch die Verbindung zwischen Auto und Bett...“

„Warum malst du Schlafzimmer?“ Jan stellte ein großes Glas Erdbeerjoghurt auf den Tisch „Sag jetzt aber nicht, weil du es kannst!“ Viona lächelte. „Nein... der Grund ist, ich habe in so einem Zimmer die Freiheit zu sagen, ich möchte meine Ruhe haben – habe aber auch gleichzeitig das Recht denjenigen hinaus zu katapultieren, der sich meinen Wünschen widersetzt.“ Der Wachmann nickte langsam – Toni runzelte die Stirn: „Gibt es einen Grund dafür?“ Die Frau dachte nach „Ja, den gibt es wirklich...“

„Es ist aber nicht dieser Auslöser, von dem ich denke, dass es so gewesen sein könnte?“ Viona sah den Mann überlegend an: Was meinte er? Zeitgleich ging ihr ein Licht auf und sie schüttelte verneinend den Kopf. „Kommt man nach getaner Arbeit nach Hause – möchte einfach nur seine Ruhe haben, kann aber nirgends einen ruhigen, nicht verrauchten Raum finden... wünscht man sich ein eigenes Schlafzimmer.“ Der Mann nickte langsam.

„Und was ist mit Autos?“, Jan lenkte die Aufmerksamkeit wieder zurück zu der Suche der Gemeinsamkeiten. Viona dachte an die kürzliche Fahrt auf einer Strasse umgeben von einer riesigen Grasfläche. Zügig fuhr die Frau den Asphalt entlang; plötzlich stieg ein Schwarm schwarzer Vögel in den azurblauen Himmel auf; einen langen Moment gingen die Tiere neben dem fahrenden Wagen hoch; ein unglaubliches Gefühl von Freiheit war über Viona gekommen; als könnte der Wagen aus dem nichts raus an Leichtigkeit gewinnen.

Viona endete mit ihrer Schilderung und sah zu dem Mann. Nachdenklich sah er zu ihr und stellte bedächtig fest: „Da haben wir doch die Verbindung... das Recht etwas Selbst zu entscheiden.“