Haar fahrend schaute Litizia über das Grundstück von Jan. „Wenn ich jetzt sage, dass wäre ideal: stimmst du mir dann zu?“

Ines stand zögerlich nickend mit dem Gesicht in die entgegengesetzte Richtung und betrachtete die große Fläche. „An dieser Stelle...“ eine ausschweifende Handbewegung unterstrich ihr Sprechen „...wäre genug Platz für einen Laufsteg...“

„Etliche Specksteinskulpturen ließen sich aufstellen...“ die Italienerin folgte dem Weg vom Hauseingang zum Tor.

„Zweifellos könnte man auf diesem Areal wirklich Was auf die Beine stellen...“ die Stimme an Litizia´s Rücken klang voller Euphorie.

 

Jan lief die beiden letzten Stufen hinunter und erreichte schließlich den Flur des Kellers. „Ich besuchte vor kurzem ein Gebäude, dort erhellte sich der Raum für wenige Minuten - ähnlich wie an diesem Ort.“

Viona lief hinter dem Mann. Ihr kamen erhebliche Zweifel, wohin er sie führte und was dort dann geschehen würde...

„Was hast du in dem Haus gemacht?“

„Ich wollte Lewandowski sehen.“

Hinter ihm lächelte die Frau „Wo warst du?“

Der Mann strich mit den Händen durch die Haare “Ich ging in die Alte Oper.“

Das Lächeln wurde ein Grinsen „Und, hattest du Erfolg?“

„Er spielte leider nicht.“ Zutiefst betroffen blieb Jan vor einer Kellertür stehen und sah zu ihr. Als er Viona schmunzeln sah, legte seine Stirn sich in Falten.

„Hättest du in diesem Gebäude Tschaikowsky gesucht, wärst du möglicherweise glückreicher gewesen... eventuell zur richtigen Zeit im richtigen Stadion, hätte auch erheblich weiterhelfen können.“

Der Wachmann hielt die Hand an den Bauch... „Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass du dich über mich lustig machst.“

Ein Griff ans Ohr sollte ihre Verlegenheit überspielen „Och... nö.“

 

Die Tür gab den Weg frei und Jan ging hinein... neugierig folgte sie ihm – was dann kommen würde... na einfach mal überraschen lassen.

Bei Viona´s Eintreten wehte leicht der Frühling durch die vier Begrenzungen. Ein kühler, muffiger Raum verbarg sich am Ende des Ganges, der Putz blätterte munter von der Wand und Spinnweben in allen erdenklichen Ausführungen hingen in der Luft... außerdem konnte man ein freudiges Miau vernehmen!

„Oh – Hi, was machst du denn hier... wie genau bist du in den Keller gekommen?“ Die Katze schaute zum Fenster “Mau“.

„Okay, alles klar. Was gibt´s?“

„Allem Anschein nach kennt ihr euch.“

 

Toni lief den grünen Pfad am Zaun entlang. Die scheinbar endlose Reihe ließ keinen Blick auf das Innere des Grundstückes zu.

´Na, auch nicht schlimm.´ achselzuckend ging der Mann weiter – man konnte auch so erkennen, dass es sich um eine sehr, sehr große Fläche handelte!

„Hey Toni! Das...“ Litizia streckte die Arme weit aus und drehte sich „...ist doch der Wahnsinn?“ Die Szenerie bot einiges... „Venedig“ konnte an diesem Ort ausgiebig umgesetzt werden!

„Was sagt Viona?“ als keine Reaktion kam, runzelte er die Stirn „Wo ist sie?“

 

„Der Raum müsste auf Vordermann gebracht werden... schwarz gestrichen; Strahler, die von der Decke auf das Bett leuchten, könnten von Nutzen sein...“

Der kleine Perser stolzierte langsam in die Mitte des Raumes und sah sich um.

„Diese Schlafstätte wird weiß - der Raum schwarz; was fehlt um alles kunstfertig zur Geltung zu bringen, könnte ein spektakulärer Schatten sein... Was meinst du?“

Die mondsteinfarbenen Augen streiften umher und mit einem ermutigenden „Miau“ sprang das Tier beim Fenster hinaus.

Jan sah ratlos zu Viona „Uninteressant wär deine Meinung nicht...“

Den restlichen Tag besprach man Details zu dem Grundstück - klärte Überlegungen - offene Fragen rund um eine Ausstellung, galt es mit Antworten zu füllen. Man trennte sich am späten Nachmittag mit einem vagen Konzept.

 

Tage dereinst griff Viona eine angefangene Weinflasche, nahm auf dem Boden im Schneidersitz Platz und stöberte einen Bleistift in dem kleinen Malkrempelberg auf. Mit der Linken goss die Frau von der altrosafarbenen Limonade ein – trank aber nicht –, stattdessen lenkte sie ihre Aufmerksamkeit erneut zu dem venezianischen Schlafzimmer... besser, dem bislang noch leeren Bogen Papier des Skizzenblockes!

Ihr Oberkörper suchte die Nähe zur Erde; die Ellbogen wurden von dem Linoleum abgestützt; der Griffel senkte seine Spitze; er begann den Umriss des Bettes anzudeuten.

Viona betrachtete schon bald die entstehende Schlafstätte... Stein und Holz... aber sehr zart! Der Gedanke von Jan schlich sich heimlich ein.

Ein Schatten. Ein Schatten? Ein Schatten!

Die extravagante Silhouette einer venezianischen Maske!

 

Toni stieg aus seinem Wagen, schloss ab und lief den geteerten Pfad am Aueweiher entlang... in der Hand hielt er eine Tafel Schokolade. Auf dem Weg ins Stadion stoppte das Fahrzeug kurz, um das süße Päckchen zu holen.

Als Viona in das Kassenhäuschen trat, sah sie neben den Eintrittskarten das kleine Paket liegen. Toni brach ein Stück ab, bat die Frau um ihre Meinung und reichte den Schokoriegel den entgegenkommenden Fingern.

die hellen blauen Augen ergründeten die nähere Umgebung “Wenn ich jetzt abbeiße, rennt mich Pascal dann um?“